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Weshalb braucht es Pflegefamilien?

Weshalb braucht es Pflegefamilien?

Wie viele Kinder in der Schweiz in Pflegefamilien leben, ist ungewiss. Einziger Anhaltspunkt ist die Volkszählung von 1990. Sie erfasste folgende Zahlen: 8713 Kinder leben in Pflegefamilien, 5848 in verwandten Pflegefamilien, was eine Gesamtzahl von 14'561 Pflegeplatzierungen ergibt. In Heimen platziert waren 1990 11‘541 Kinder. Wie sich die Zahl Pflege- und Heimkinder in den letzten 20 Jahren entwickelt hat, ist nicht dokumentiert. Was jedoch auffällt: Deutlich mehr Kinder sind in Pflegefamilien platziert als in Heimen – ein klares Indiz dafür, welche Bedeutung dem Pflegekinderwesen in der ausserfamiliären Betreuung zukommt.

Die ausserfamiliäre Betreuung wird vom Staat im Rahmen des Kindesschutzes angeordnet und geregelt. Für viele Kinder stellen Pflegefamilien eine geeignete Form der Unterbringung dar, denn sie bieten, im Gegensatz zu Heimen, ein kontinuierliches Beziehungs- und Bindungsangebot; dies ist insbesondere für jüngere Kinder von grosser Bedeutung. Ausserdem sind Pflegefamilien besser als Heime in der Lage, rechtzeitig zu erkennen und zu reagieren, wenn ein Kind von Ängsten geplagt wird oder sich zurückzuziehen und zu isolieren beginnt. Die Pflegekinder ihrerseits schätzen ihre Lebensqualität höher ein als Heimkinder, insbesondere wenn ihre Eltern die Fremdplatzierung mittragen.

Welchen Herausforderungen stellen sich Pflegeeltern?

Pflegefamilien öffnen ihre Privatsphäre nicht nur dem Pflegekind, sondern auch der für die Pflegeplatzierung zuständigen Aufsichtsbehörde und der Herkunftsfamilie des Pflegekindes. Arbeiten sie mit einer Familienplatzierungsorganisation (FPO) wie Sofa – Soziale Fachdienstleistungen zusammen, erklären sie sich überdies bereit, deren Mitarbeitende für regelmässige Begleitbesuche einzulassen. Pflegefamilien erhalten so eine Öffentlichkeit, der sie sich stellen müssen. Dem fremden und zusätzlichen Familienmitglied gewähren sie Einblick in die Privatsphäre der Familie und integrieren es in die Entwicklung von Nähe und Intimität.

Pflegeeltern sind bereit, sich auf eine liebevolle Beziehung mit dem Pflegekind einzulassen, die nicht einer natürlichen Mutter- oder Vaterliebe entspringt und eventuell auch zeitlich befristet ist. Sie müssen aushalten können, dass es nach Beendigung des Pflegeverhältnisses zu einem Beziehungsabbruch kommen kann. Dies bedingt einen sicheren Umgang mit Nähe und Distanz, um eine wertschätzende und tragende Beziehung aufzubauen – ohne Anspruch auf Dauerhaftigkeit.

Die Pflegefamilie sollte sich auch bewusst sein, dass sich das Rollengefüge in der eigenen Familie durch die Aufnahme eines Pflegekindes verändert. Deshalb ist es wesentlich, dass alle Familienmitglieder der Pflegeplatzierung zustimmen.

Pflegefamilien sind bereit, sich auf die Bedürfnisse und Schwierigkeiten ihres neuen Familienmitgliedes einzulassen, ihm empathisch zu begegnen und die Probleme, die es mitbringt, mit ihm zu bearbeiten. Da Pflegekinder oft eine belastete Herkunft haben, bringen sie schwierige Themen in die Familie hinein. Je nach Thematik sind die Pflegeeltern auch gefordert, mit Grenzen und Regeln zu reagieren, deren Umsetzung unter Umständen auch die eigenen Kinder betrifft.

Pflegeeltern stehen gesellschaftlich unter kritischer Beobachtung und müssen sich oft nach aussen legimitieren. Da sie nicht über den moralischen Status natürlicher Eltern verfügen, müssen sie sich diesen erst verdienen und immer wieder unter Beweis stellen.

Welche Arten von Pflegeverhältnissen gibt es?

Traditionelle Pflegefamilien haben weder eine fachliche Ausbildung im Kinder- und Jugendbereich noch sind sie mit einer FPO verbunden. Die Platzierung erfolgt direkt von einer einweisenden Behörde, was bedeutet, dass die Pflegefamilien weitgehend auf sich selber gestellt sind. Zweimal jährlich werden sie durch die zuständige Kontrollstelle besucht. Wie gut sie bezüglich sozialpädagogischer Fragestellungen und Alltagsbelange unterstützt werden, hängt von der zuständigen Person ab. Bei Direktplatzierungen ist es für Pflegefamilien daher sehr wichtig, von Anfang an mit der zuständigen Behörde zu klären, welche Kompetenzen und administrativen Aufgaben ihnen zufallen. Traditionelle Pflegefamilien erhalten eine bescheidene Entschädigung und müssen sich Beratung und Weiterbildung meist selbst organisieren und finanzieren.

Institutionell vernetzte Pflegefamilien arbeiten mit einer professionellen sozialpädagogischen Organisation, einer FPO – wie Sofa – Soziale Fachdienstleistungen – zusammen. Die FPOs übernehmen in der Regel umfassende Aufgaben für die Pflegefamilie, das Pflegekind und auch die einweisende Behörde.

Professionellen Pflegefamilien wird die Aufnahme von Pflegekindern zum Beruf. Mindestens ein Elternteil verfügt über eine sozial- oder heilpädagogische Fachausbildung. Sie arbeiten nach Qualitätsstandards und sind oft mit anderen professionellen Pflegefamilien in Vereinen zusammengeschlossen. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie meist vollständig durch die Pflegeelternarbeit.