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Interview mit unserer Pflegemutter für Notfallplätze im Kleinkinderbereich
  • Interview mit unserer Pflegemutter für Notfallplätze im Kleinkinderbereich

    Wie sieht Euer Alltag aus?

    Da ich gemeinsam mit meiner Tochter, meinem Schwiegersohn und den Enkel- und Pflegekindern in einem Haus lebe, ist stets etwas los. Der Tagesablauf gestaltet sich vor allem durch die Schulzeiten der grösseren Kinder. Morgens sind die Grösseren ausser Haus und ich habe viel Zeit für die Kleineren und mache den Haushalt. Am  Mittwochnachmittag sind wir stets zwei Erwachsene, welche die Kinder betreuen. So können wir uns gut auch aufteilen. Wir gehen oft ins Hallenbad oder ins Theater, spazieren täglich mit den Hunden und sind also viel draussen. Wir haben einen grossen Garten mit Tieren, Hühner und Meerschweinchen, da ist viel Platz zum Spielen und Verweilen.

    Kannst Du etwas zu Deiner Motivation als Pflegemutter sagen?

    Ich mag spezielle Menschen, auch schwierige und  komische. Ich bin selbst nicht 0815 – darum kann ich es wohl gut mit den verschiedenen Menschen. Besonders Kinder, die ihre Ecken und Kanten haben, mag ich besonders. Häufig habe ich sogenannte „Schreibabys“ betreut – diese Kinder finde ich sehr spannend. Meine eigenen Kinder sind ja bereits erwachsen – jetzt habe ich aber immer noch die Energie und viel Zeit, um Kinder zu betreuen. Mit zunehmendem Alter habe ich auch immer mehr Gelassenheit und Ruhe – so hilft mir das Alter auch!

    Worauf legst Du besonderen Wert in der Betreuung von Kleinkindern?

    Die Kinder sind ja häufig nur für eine kurze Zeit bei mir. Dann bin ich rund um die Uhr für sie da. Ich will für sie eine verlässliche Bezugsperson sein. Es ist mir wichtig, dass sie ein Vertrauen zu mir entwickeln können. Das braucht vor allem ganz viel Zeit und Ruhe. Manchmal trage ich die Babys stundenlang herum. Das ist ganz schön anstrengend! Deshalb habe ich mir gerade einen neuen Schaukelstuhl gekauft – so kann ich mit den Kindern einfach mal eine Stunde schaukeln und mir ganz viel Zeit nehmen um heraus zu finden, was sie brauchen.

    Kinder, welche zu Euch kommen, haben bereits vielfältige Erfahrungen gemacht, teilweise auch sehr schwierige und schmerzhafte. Welchen Umgang habt ihr mit diesen Herausforderungen?

    Das Kind ist für mich dann im Vordergrund, alles andere organisiere ich drum herum. Den Tagesablauf gestalte möglichst ruhig. Ich bin als Fixpunkt einfach für sie da und nehme mir insbesondere in den ersten Tagen ganz viel Zeit. Am Anfang wird das Kind nur von mir betreut – damit es sich orientieren kann. Es soll eine besonders grosse Konstanz erleben dürfen.

    Wie siehst Du die Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilien?

    Die Zusammenarbeit mit den Eltern finde ich spannend. Häufig erlebe ich die Eltern ja bei Besuchen, wenn sie zu uns nach Hause kommen. Dabei ist es mir wichtig, dass klare Abmachungen getroffen werden – an diese halte ich mich dann auch. Ich glaube, Klarheit ist am wichtigsten. Wenn die Eltern etwas stört, ist es gut, wenn sie es mir direkt sagen. So kann gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden. Es braucht das offene Gespräch – aber ich mache keine Belehrungen!

    Ich sehe die Not der Eltern und kann mir vorstellen, dass es für die Eltern nicht einfach ist, ihr Kind in einer fremden Familie betreut zu wissen. Man kann sich als Eltern schon komisch vorkommen, wenn man sein Kind in einer fremden Familie besuchen muss. Darum ist es mir wichtig, den Eltern wertschätzend zu begegnen. Es muss auch Platz haben für Fehler! Bei mir ist Vieles nicht perfekt – so dürfen auch die Eltern ihre Fehler mitbringen.

    Durch mein Alter habe ich den Vorteil, dass ich nicht in Konkurrenz zu den Eltern stehe. Ich bin schon eher ein Grosi! Ich sage den Eltern auch immer wieder, dass ich ihnen ihr Kind nicht wegnehme, sondern einfach für die Zeit, in der es mich braucht, für die Kinder da bin.

    Ich bin parteiisch – für die Kinder! Und zu den Kindern gehören die Eltern immer auch dazu. Besuchskontakte mit den Eltern müssen wann immer möglich stattfinden.  Manchmal muss dafür nach  kreativen Möglichkeiten gesucht werden, damit die Besuche für alle Beteiligten gut sind.

    Das Interview wurde geführt von Karin Hüberli im Januar 2015 mit liebem Dank an die Pflegemutter für ihr Engagement und ihre Offenheit